Hünfelden-Neesbach (uf) Eine Feierstunde fand statt in der evangelischen Johannes-Kirche im Hünfeldener Ortsteil Neesbach. Grund war eine Spendenübergabe für die geplante Renovierung der historischen Raßmann-Orgel in dieser Kirche. Gespielt wurde die Orgel an diesem Nachmittag von einem preisgekrönten jungen Organisten aus der Region.
Sie gehört zu den räumlich kleinsten evangelischen Kirchengebäuden im Goldenen Grund, die Anfang des 18. Jahrhunderts als protestantische Predigtkirche errichtete Johannes-Kirche in Neesbach. Kenner wissen um die kunstvollen Ausmalungen im Kircheninneren, die vor mehr als 40 Jahren wieder freigelegt und renoviert worden waren. Nur wenige wissen allerdings, dass sich in der Neesbacher Kirche eine besondere Orgel befindet. Eine Raßmann-Orgel aus dem Jahre 1825. Beim Jubiläumskonzert im vergangenen Jahr war angeregt worden, die Orgel besonders in ihren „Verschleißteilen“ zu renovieren.
Und um diese Renovierung zu ermöglichen, haben sich das Landesamt für Denkmalpflege Hessen und die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen bereit erklärt, diese Maßnahme mit jeweils 5000 Euro zu unterstützen bei geschätzten Gesamtkosten der Maßnahme von etwa 50.000 Euro. Auch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) beteilige sich an den Kosten der Renovierung. Die restlichen Kosten trage die Gesamtkirchengemeinde Heringen, Nauheim und Neesbach aus Haushaltsmitteln und durch Spenden.
Im Zuge der Feierstunde lobte Dr. Bernhard Buchstab vom hessischen Landesamt für Denkmalpflege die Qualität der Orgel, die seit 200 Jahren in der Dorfkirche ihren Dienst tue. Nur wenige Umbauten habe es in diesen zwei Jahrhunderten an der einmanualigen Orgel mit ihren neun Registern gegeben.
Dies unterstrich der Orgelsachverständige vom Zentrum Verkündigung der EKHN, Thomas Wilhelm. Kenntnisreich beschrieb er als notwendige Maßnahmen eine neue Belederung der historischen Balganlage und die Überarbeitung der immer noch historischen Windlade des Instruments, was sich beides auch auf die Klangqualität des Instrumentes auswirken werde. Es werde „alles getan, das alles, was an historischer Substanz erhalten ist, weiter erhalten und überliefert wird.“ Zugleich werde auch das heimische Orgelbauwesen unterstützt, das mittlerweile zum UNESCO Welterbe gehöre.
„Mit der Förderung erhalten Kirchen und Orgeln auch in kleinen Gemeinden besondere Aufmerksamkeit.“ Es gehöre zur DNA der Sparkassen, die Identifikation der Menschen mit dem eigenen Ort, der eigenen Region zu stärken, erklärte Jörg Klinge, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Die Orgel der Neesbacher Kirche sei die 192. Maßnahme seit Beginn des Orgelförderprogrammes 2001. „Das gemeinsame Ziel aller Beteiligten ist es, diese Klangkunstwerke in ihrer handwerklichen Präzision und ihrer kunstvollen Ausgestaltung als technische Meisterleistungen ihrer Zeit zu erhalten und in ihrer jeweils ganz unterschiedlichen Klangfarbe für nachfolgende Generationen verfügbar zu halten. Eine Publikation „Restaurierungen historischer Orgeln in Hessen“ porträtiert die bislang geförderten Instrumente und ist als Datei untere www.sparkassen-kulturstiftung.de erhältlich.
Von den Möglichkeiten und Klangfarben des Instruments überzeugen konnten sich im Anschluss die genannten Personen sowie zahlreiche weitere Gäste im Kirchenraum durch musikalische Vorträge, mit denen der junge Kirchenmusiker Leonard Gürtel die Wortbeiträge der Feierstunde rahmte.
Unter Assistenz durch seinen Orgellehrer Dekanatskantor Martin Buschmann spielte der 16-jährige Schüler Sätze aus Werken von Johann Sebastian Bach, Carl Philipp Emmanuel Bach, Felix Mendelssohn-Bartholdy sowie von Pachelbel und Kuhnau.
Nicht ohne Stolz wurde erwähnt, dass der Jugendliche aus Mengerskirchen bereits vor vier Jahren den ersten Preis im Orgelwettbewerb der Organistinnen und Organisten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau erhalten habe. Und desweiteren im vergangenen Jahr durch ein Orgelstipendium der Kreissparkasse Limburg gefördert wurde.
Im Anschluss an die Feierstunde gab es nicht nur die symbolische Scheckübergabe, sondern Gemeindepfarrer Christian Hundt und Kirchenvorstandsvorsitzender Achim Hofmann luden die Anwesenden auch noch zu einem kleinen Imbiss mit Gelegenheit zum vertiefenden Gespräch in geselliger Runde ein.