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Nauheim Teil der Evangelischen GKG Heringen, Nauheim, Neesbach

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Ev. Gesamtkirchengemeinde Heringe, Nauheim und Neesbach

Gemeindebüro

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Mittwoch + Donnerstag: 09:00 - 11:30 Uhr

Achim Hofmann

Vorsitzender

Kurzportrait:

Historie

Die Kirche von Nauheim steht am Ostrand des alten Ortskerns, umgeben von dem Friedhof, eingegrenzt von einer einfachen Bruchsteinmauer. Wie aus dem Schlussstein über dem Eingang ersichtlich, wurde die Kirche 1706 (bis 1708) erbaut.

Die Auseinandersetzungen durch die Reformation waren überstanden, die Wunden des 30-jährigen Kriegs weitgehend geheilt und der evangelische Glauben hatte sich in der Grafschaft Nassau-Weilburg fest etabliert. Die Bevölkerung wuchs, gemäß Überlieferung war die alte Kapelle baufällig und zu klein und so konnte mit der neuen Kirche das christlich geprägte dörfliche Leben endlich bereichert werden.

„INTD (IN NOMINE TRINITATIS DEI) wurde dieses Gotteshaus neu erbaut im Jahr 1706“

Der Gang in die Kirche führt über das Eingangsportal auf der Westseite in den hallenförmigen Kirchenraum. Stille empfängt die Gläubigen, die weißgetünchten Wände des über 300 Jahre alten Bauwerks und die gut erhaltenen Einbauten fordern auf zu Andacht und besinnlicher Einkehr.

Nach dem Betreten der Kirche fällt der Blick auf den Altar und die Orgelempore, die sich zu einem Gesamtbild zusammenfügen. So steht der schlichte, kastenförmige Altar auf dem alten Steinboden und ist von zwei Säulen mit geschwungenen, verzierten Balkenköpfen, die die Orgelempore tragen, eingerahmt. 

Die Orgel steht mittig über dem Altar auf der Orgelempore und ist mit dem Untergehäuse in die Brüstung der Empore eingesetzt. Mit ihren Pfeifenfeldern ist sie auf den Kirchenraum gerichtet.

Der Altar besteht an allen vier Seiten aus einem Rahmen mit Füllungen, die rot gestrichen sind. Die Vorderseite trägt den goldfarbenen Schriftzug „Opfere Gott Dank Ps. 501/14“. Das Kruzifix über dem Altar wurde erst bei der letzten Renovierung der Kirche angebracht. Es ist aus zwei Balkenstücken der Traubeneiche von Uwe Günther aus Bischofsheim in der Röhn gefertigt. Sie stammen aus dem alten Glockenstuhl, der bei der letzten Renovierung 1984 erneuert wurde.

Die moderne Darstellung des Gekreuzigten beeindruckt und fügt sich in die architektonische Umgebung und in die heutigen Glaubenswerte gut ein.

Um die Kirchenhalle mit Orgelklang füllen zu können, mussten sich die Nauheimer noch weiter gedulden. Erst 1754 schlossen sie mit dem Orgelbauer Christian Köhler in Frankfurt am Main ein Kaufvertrag für ihre erste Orgel ab. Sie umfasste neun Register und kostete 285 Gulden. Die jetzige Orgel, die dritte der Kirche, errichtete 1893 Gustav Raßmann, Orgelbauer aus Möttau bei Weilburg. Das Instrument hat 228 Holz- und 300 Zinnpfeifen.

Die Kanzel steht nach altem Herkommen rechts vor dem Altar und umfasst den Korpus und den Schalldeckel. Der Korpus gliedert sich in ein Eichenholzrahmenwerk mit symmetrischen Füllungen. Sie enthalten rechteckige Spiegel, mit Wellenleistungen umrandet. Die Kanzel ruht auf einer gewendelten Säule mit kantiger Basis und achteckigem Kapitell mit Verzierungen.

Die Untersicht des Schalldeckels ist sternförmig profiliert. Die Freiräume sind mit Mustern ausgefüllt und verbinden die Fläche zu einem Achteck. In der Mitte hängt eine vergoldete Traube.

Als Besonderheit trägt der Schalldeckel auf einer Volutenkrönung einen Pelikan, der seine Jungen im Nest füttert. Er steht sinnbildlich für Christus, der sich für uns Menschen aufopfert.

Das Taufbecken links vor dem Altar hat wie die Kanzel eine gewendelte Säule. Sie ist sicher aus der Bauzeit der Kirche. Aus dem alten Eichenholz des Glockenstuhls gefertigt erhielt die Taufsäule 1984 einen quadratischen Fuß und oben einen Kopf, in dem die Messingschale ruht. Die Abdeckung zeigt das Symbol der Taube.

Ein besonders schöner Anblick ergibt sich, wenn man vorn im Altarraum steht und in die Gemeinde schaut.

Über den hinteren Teil der unteren Sitzbänke wurden 1728 nachträglich zwei zusätzliche Emporen sowie die Orgelempore eingebaut, da sich die Zahl der Gläubigen weiter erhöhte und zusätzlicher Raum benötigt wurde. Der Einbau gleich zweier Emporen in die bestehende Kirchenhalle muss die Baumeister besonders gefordert haben. Nach der Überlieferung wurde hierzu die ursprüngliche Flachdecke durch eine Flachbogentonne in den Dachraum hinein umgestaltet, die Bänke zur Verbesserung der Sicht in aufsteigender Reihung angeordnet sowie zwei Fenster je Empore ergänzt. Der Zugang erfolgt auch heute noch über einen verdeckten schmalenTreppenaufgang.

Wie die Einbauten schmücken, damit sie sich gefällig in das Kircheninnere einfügen? Geld war nach dem Bau der Kirche rar. Zudem entsprach es dem evangelischen Glauben, auf Schmuck und Glanz zu verzichten. Die gefundene Lösung überzeugte: An alle Brüstungen wurden wie bereits am Altar Rahmen mit Füllungen angebracht, auf denen Bibelzitate in goldfarbenen Schriftzügen wiedergegeben werden. Das war kostengünstig und förderte die Bibelkenntnisse. Die Reihung der Bibelzitate,weniger die Auswahl, erscheint im Nachhinein als Glücksfall, sind die 25 Schriftfelder doch ein historisches Dokument mit eindrucksvoller Gesamtwirkung.

Die Geschichte der Nauheimer Kirchenglocken kann man bis in das Jahr 1612 zurückverfolgen. Durch politische Ereignisse traten mehrfach Veränderungen im Geläut auf. Zuletzt mussten im 2. Weltkrieg zwei Glocken für Kriegszweck abgegeben werden. Die jetzigen drei Glocken wurden am 14. Juni 1953 eingeweiht.

Die große Glocke hat den Ton A, die mittlere (Sterbeglocke) den Ton CIS, die kleinere E. Alle Glocken sind in der Glockengießerei Gebrüder Rinker, Sinn/Dillkreis, gegossen worden.

Über all die Jahre ihres Bestehens hat sich die Nauheimer Kirchengemeinde um den Erhalt und die Pflege ihres denkmalgeschützten Gotteshauses bemüht. Besonders hervorzuheben ist die letzte Grundrenovierung von 1984, in der der Treppenaufgang zur Orgelempore neugestaltet, die Bodenbeläge ausgebessert, die elektrische Anlage erneuert, sowie die Wände innen und außen neu gestrichen wurde.

Dabei gab es eine Entdeckung, die Untersuchungen der Wände der Kirche förderten Reste einer alten Ausmalung zutage. Nach Alter und Art ist anzunehmen, dass sie von dem Hofmaler Wächter aus Idstein ausgeführt wurde. Leider war der Erhaltungsgrad nicht so überwältigend, so dass die Sachverständigen auch aus Kostengründen auf eine Freilegung und Nachbearbeitung verzichteten. Die Ausmalungsreste sind jedoch erhalten geblieben. Spätere Generationen werden vielleicht die Möglichkeit haben, die alten Malereien freizulegen.

Zum Abschluss der letzten Renovierung beschloss der Kirchenvorstand, Pfarrer Christian Gensch mit der Erstellung einer Kirchenchronik zu beauftragen. Gemeinsam mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verfasste er eine 24-seitige Broschüre mit dem Titel „Die evangelische Kirche in Nauheim 1984“. Ein Faksimile-Nachdruck erfolgte 2021 und liegt in der Kirche aus.

Infos von Hans-Otto Vesper

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