Gottesdienst erinnert an Florence Nightingale und Krankheit ME/CFS

veröffentlicht 11.05.2026, KG Heringen, Nauheim und Neesbach

Ein paar Damenschuhe auf dem Altar der
Münsterer Kirche – mit einem eindrucksvollen Gottesdienst wurde an
eine gar nicht so seltene Erkrankung erinnert. Auf das „Chronische
Erschöpfungssyndrom“ wurde am vergangenen Wochenende weltweit
hingewiesen. Auch im Gottesdienst in der Münsterer Kirche.
Am 12. Mai wird seit 1995 der „Internationale Tage des Chronischen
Erschöpfungssyndroms“ begangen. Das Datum erinnert an den
Geburtstag der englischen Krankenschwester Florence Nightingale
(12. 5. 1820 – 13. 8. 1910), die nach ihren Erfahrungen im Krimkrieg
zu einer Begründerin der modernen Krankenpflege wurde. Weltweit
wird deswegen auch der früher so genannte „Internationale Tag der
Krankenschwestern“ an ihren Geburtstag begangen, heute
„Internationaler Tag der Pflegenden“ genannt.
Berühmt wurde Florence Nightingale, weil sie als „Lady with the
lamp“ nachts durch die Krankensäle der Lazarette ging, um nach den
Verletzten und den Sterbenden zu sehen. Für viele wurde die gläubige
Christin damit zu einer „Lichtgestalt“, die anderen Hoffnung brachte.
In ihrem langen Leben setzte sie sich für eine moderne und
professionelle Krankenpflege ein.
Was lange übersehen wurde: Nach ihrer Zeit im Kriegsgebiet
erkrankte sie schwer. Und war in den folgenden Jahrzehnten zumeist
ans Krankenbett gefesselt. Viele beschriebene Symptome lassen auf
eine Erkrankung schließen, die heute ME/CFS genannt wird. Das
„Chronische Erschöpfungssyndrom“, zuweilen auch „Myalgische
Enzephalomyelitits/Chronisches Fatique-Syndrom“ genannt, ist eine
chronische Erkrankung, charakterisiert durch lähmende geistige und
körperliche Erschöpfung mit vielfältigen Schmerzen und Störungen.
Schon vor Jahrzehnten wurde diese Krankheit beschrieben, die in der
Regel nach einer Infektion als Langzeiterkrankung auftritt. Infolge der
Corona-Pandemie hat sich die Zahl der Erkrankten stark erhöht. Auf
weit mehr als 600 000 Menschen wird die Zahl der an ME/CFS
Erkrankten allein in Deutschland geschätzt.
An den Tagen um den 12. Mai wird bewusst auf die Erkrankung
hingewiesen. In manchen Städten finden „Liegend-Demonstrationen“
durch Betroffenen und Angehörige statt. Immer mehr öffentliche
Gebäude werden in der Nacht blau angestrahlt, denn die Initiative
„Lightupthenight4ME" ruft unter dem Motto „Unsere Hoffnung trägt
blau" dazu auf, auf die prekären Lebensumstände und die vielfach
unzureichende Versorgungssituation der Betroffenen aufmerksam zu
machen. Im vergangenen Jahr beteiligten sich deutschlandweit bereits
über 270 öffentliche Gebäude.
In den Münsterer Kirche berichtete Gemeindepfarrer Ulrich Finger
von Kontakten mit Erkrankten und deren Angehörigen, die ihn
letztlich zu diesem besonderen Gottesdienst bewogen hätten. Er habe
sich „schlau gemacht“ durch Gespräche, Telefonate, Texte in
öffentlichen Selbsthilfegruppen. Und sei überrascht gewesen, wie oft
das Thema ME/CFS in den letzten Wochen in den Medien aufgetaucht
sei. Mit dem Gottesdienstangebot wolle er helfen, dass „Erkrankte, die
in der Regel kaum noch vor die Türe gehen können“ dennoch gesehen
werden.
Neben vielen, teils sehr emotionalen Textbeiträgen war ein besonderer
Hingucker das Paar Damenschuhe auf dem Altartisch. Zeichen dafür,
dass Menschen, die nicht da sein können, doch anwesend sind.