Zur Eröffnung der neuen Saison „Literatur in der
Kirche“ gab es in der Münsterer Evangelischen Kirche einen der ganz
Großen der Literatur zu erleben: Hans Zippert. Der frühere
Chefredakteur der „titanic“, der seit Jahrzehnten Kolumnen in
zahlreichen großen Zeitungen schreibt, gab eloquente Einblicke in
sein Schaffen - mit Laptop, Beamer, Leinwand und spitzer Zunge
nahm er die Weltpolitik und „den Menschen an sich“ aufs Korn
erntete bereitwillig Schmunzeln und gefälligen Beifall.
Ausgehend von der Frage, wie man denn unsterblich wird, verwarf er
angesichts der Weltlage alle probaten Vorschläge, identifizierte
zielsicher die wichtigsten Religionen Deutschlands und klärte mit
seinen berühmten Tortengrafiken über die Religionszugehörigkeiten
der bundesdeutschen Haustiere auf.
Biografisch illustrierte er den Beginn seiner Berufstätigkeit als
Mitarbeiter im Zentralen Briefabgang in Bielefeld und erläuterte
tiefsinnig Fragen der Klassengesellschaft in Zügen der Deutschen
Bahn.
Fast schon „standing ovations“ bekam er für seine Ausführungen,
warum er nicht gut sei im Bett und analysierte pointensicher das
Schlafverhalten der Bundesbürger in Realität und Sprachgebrauch
besonders im Blick auf Hotelbetten.
Nach einer kurzen Pause ließ er – nach einem medial eingespielten
Interview mit Reinhold Messner, dem bekanntesten Bergsteiger der
Welt, die begeisterte Zuhörerschaft teilnehmen an seinem letzten
großen Projekt: Der Besteigung der jeweils höchsten Berge aller 16
deutschen Bundesländer. Schließlich sind diese 16 Berge mit
insgesamt 12888 Meter deutlich höher als der Mount Everest.
Zum Abschluss äußerte Zippert noch ungefragt seine Meinung zum
Vorschlag des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs zur Einführung
einer Promillehöchstgrenze fürs Fahrradfahren, um sich mit seinem
Erstlingsgedicht an seine Heimatstadt Bielefeld vom Publikum in
Münster zu verabschieden.
Im Anschluss an seinen Vortrag hatte Zippert noch eine Weile zu tun.
Denn viele der Besucherinnen und Besucher baten ihn, Bücher und
Zeitungskolumnen zu signieren.
Musikalisch gerahmt wurden die Worte des Zippert durch
Gemeindepfarrer Ulrich Finger, der Kinder- und Pfadfinderlieder zur
Gitarre zum Besten gab. Gabriele Rittig hatte zuvor ihren
jahrzehntelangen Freund und Weggefährten aufs Wärmste begrüßt.