Ein eindrucksvoller Konzertabend fand in der
Evangelischen Kirche in Münster statt. Die Spielfrauen „Arthawyn“
begeisterten mit einem Programm der Extraklasse. Und bewiesen:
Mittelalterliche Musik kann auch „mit Gefühl“.
Mit ihrem fast zweistündigen Programm entführten die drei Spielfrauen Anna
Departhos, Brunhilla vom Reichenstein und Claudia Zierer die knapp 200
Besuchenden in der Münsterer Kirche einfühlsam in die Welt der
mittelalterlichen Tanzlieder und Balladen. Jedes Lied wurde kurz und kundig
vorgestellt. Und so erfuhren die Besuchenden von den Unterschieden der
„hohen“ zur „ebenen“ Minne kennen, erfuhren viel über die Frömmigkeit
jener Zeit und lernten orientalische und sephardische Einflüsse kennen. Mit
einer Vielzahl zeitgerechter Instrumente brachten die Spielfrauen dann auch
den Klang jener Zeit in einen Kirchenraum, der für so eine Musik wie
geschaffen erscheint.
Die allermeisten der vorgestellten Melodien und Lieder entstammen der Zeit
des Hohen Mittelalters, nur selten sind die Namen derer bekannt, die einst die
Zeilen sangen, die an diesem Abend zu neuem Leben erweckt wurden in ihrer
Urtümlichkeit. „Musik kann Brücken schlagen, wo Grenzen gezogen werden“ –
so führte Anna Departhos ein sephardisches Lied ein, das von unerlaubter
Liebe und dem Verlust der Heimat handelt.
Nur kurz wurde die Epoche des späten 19. Jahrhunderts gestreift, in der
zahlreiche angeblich mittelalterliche Lieder in romantisierender Manier den
verklärenden Zeitgeist mit plumpen und historisierenden Klischees spiegelten.
Hingegen: Fast alles, was an Klang und Wort an jenem Abend in der Münsterer
Kirche zu Gehör kam, atmete den Geist jener scheinbar längst vergangenen
Zeit, in der die Menschen doch dieselben Gefühle hegten, wie wir sie heute nur
zu selten zu Wort kommen lassen und sangen von Hoffnung, Glauben und
Liebe.